06.04.2015 19:00

Bei allen Vorzügen, die eine Megapolis wie Tokio zu bieten hat, eines ist hier relativ schwierig - aus der Stadt herauszukommen. Wir wohnen extrem zentral, was es einfach macht, sich in der Stadt zu bewegen. Allerdings führt das auch dazu, daß in jede Himmelsrichtung die nächsten 50km komplett betoniert sind. Egal, ob man in Richtung Chiba, Miura oder Saitama fährt, mit fast jedem Verkehrsmittel ist man gut zwei Stunden unterwegs, bevor man Bäume sieht, die nicht von einem Landschaftsarchitekten an genau die Stelle, in der sie sich befinden, eingeplant wurden. Dann allerdings hören die Häuser relativ abrupt auf, und man ist plötzlich allein.

Guckt man sich Tokio auf einer Reliefkarte an, wird auch relativ schnell klar, warum die Besiedlung in den Randgebieten so scharf abgegrenzt ist - Japan ist entstehungsbedingt ein Land voller Berge, und die Besiedlung hört dort auf, wo die ersten Bergketten anfangen:


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Naturgemäß zieht es also alle, die eine Auszeit von den bedrängten Städten suchen, in die Berge, und entsprechend sind sowohl Berg-, als auch Radwanderungen verhältnismäßig populär.

Iriyama Touge ist einer der leichter zu erreichenden Bergpässe, ist für Autos gesperrt und dadurch ideal, um eine kurze Verschnaufpause zu bekommen. Der Preis, den man dafür bezahlt, sind von Minato-ku aus gut 140km Gesamtstrecke, wobei immerhin der größte Teil innerhalb der Stadt den Flußufern folgt:

Vom Osten Berlins aus könnte man bei der selben Strecke nach Frankfurt/Oder und zurück, von München wäre es kurz über die Grenze nach Österreich und zurück. Nur mit dem Unterschied, daß die Häuser zwischendrin nicht aufhören, dafür aber ungefähr ab Fürstenwalde bzw. Otterfing das Land günstig genug wird, daß dort die ersten großen Baumärkte und Industrieparks zu sehen sind.

03.12.2013 19:39

Schwarzweissfotos von einer Frau aus Portugal, aufgenommen im Rest der Welt. Leider mit einer Demonstration, dass man mit Text zum Bild im Grunde nur verlieren kann, aber dafür sind die Bilder erfrischend roh und mit einem seltsam unklaren, aber doch vorhandenen Narrativ verknüpft. Rest hier und hier als Buch.

26.08.2013 10:00

Headliner oder was?

18.08.2013 12:40

Gestern ist mir ein Bild durch den Reader gescrollt, das die Landekapsel der Gemini 8 Mission kurz nach der Landung zeigt:

Armstrong and Scott with Hatches Open

Mal ehrlich, mit mir hätte es nie ein Weltraumprogramm gegeben. Die Kapsel hat ein Nutzvolumen von 2.55m2, das sind 0.5m2 weniger als in einer Standard Dixi-Toilette. Da setzen sich also 2 Typen in eine Kapsel, die kleiner ist als eine Dixi, fliegen ein paarmal ungebremst um die Erde, und lassen sich dann wieder fallen in der Hoffnung, dabei nicht zu verglühen. Und nur um es noch ein bisschen aufregender zu machen, zeigen die Fenster natürlich nach hinten:

Das ist mir glaube ich ein wenig zu aufregend.

15.08.2013 22:40

Durch Japan zieht sich ein tiefer kultureller Graben. Ein Großteil des Landes ist geprägt von der absoluten Perfektion des Plastikpops. Ähnlich wie in Korea und anderen Teilen Asiens gibt es für viele kein romantisches Ideal von Bands, die sich einfach hinsetzen und anfangen, Musik zu machen. Stattdessen schießen immer mehr lose zusammengestellte Bands aus dem Boden, bei denen es garnicht darauf ankommt, welche Musik eigentlich gespielt wird, sondern das Interesse davon bestimmt wird, wer am niedlichsten ist und wer mit welchem Produzenten ins Bett geht. Die Rahmengeschichte ist praktisch immer wichtiger als die Inhalte, und zwar noch um eine Dimension stärker, als das bei der westlichen klatschsüchtigen Unterhaltungsbranche der Fall ist. Die allgegenwärtigen AKB48 sind vermutlich das bekannteste Resultat dieser Auswüchse, allerdings sind sie nüchtern betrachtet eher eine Hochglanzversion vom Big-Brother-Haus, das zufällig auch noch Musik macht, als eine irgendwie ernstzunehmende Form von Kunst. Der New Yorker hatte letztes Jahr einen ziemlich guten, wenn auch recht wohlwollenden Artikel über die Popindustrie in Korea, die grundsätzlich ganz ähnlich funktioniert.

Am anderen Ende des Spektrums gibt es aber glücklicherweise noch verschrobene Musiker wie Metome, die darauf pfeifen, was sich verkaufen lässt. Ich bin mir garnicht sicher, wie ich die Musik betiteln würde, vielleicht ist es Elektro-Glitch-Jazz, aber egal wie es heißt, auf jeden Fall ist es großartig und gibt ein bisschen Mut, daß es doch noch gute Menschen gibt.

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